SAP Business Data Cloud: So werden Data Products genutzt
Data Products liefern wiederverwendbare, qualitätsgesicherte Datenbausteine mit sauberer Semantik, Governance und Self‑Service‑Zugriff – die ideale Grundlage für Analytics und intelligente Anwendungen auf Basis der SAP Business Data Cloud (BDC). Doch was genau sind Data Products, wie werden diese genutzt und wie werden Custom Data Products genutzt? Im Folgenden beantwortet Joseph Reinke, Junior Process Automation Consultant bei sovanta, diese Fragen und zeigt Schritt für Schritt, wie SAP Managed und Custom Data Products erstellt und in der Praxis genutzt werden können.
Was sind Data Products?
Ein Data Product ist ein wiederverwendbares, klar beschriebenes und nach Produktprinzipien geführtes Datenobjekt.
Darüber hinaus bündeln Data Products SAP- und Non-SAP-Daten in konsumfertigen Datenpaketen. In diesem Zusammenhang werden operative Tabellen, CDS Views oder API-Ergebnisse erst durch gezielte Kuration, Harmonisierung, Governance und Lifecycle-Management zu einem produktionsreifen Data Product mit Plattformcharakter.
Dabei gilt: Verantwortlich für die Erstellung und Verwaltung sind in der Regel interne IT-Organisationen, SAP selbst oder ausgewählte Partnerunternehmen wie Sovanta.
Nutzung von Data Products: Intelligent Applications vs. Custom Data Products
SAP-managed Data Products & Intelligent Applications
SAP stellt eine wachsende Anzahl kuratierter Data Products im Business Accelerator Hub bereit. Diese bilden die Grundlage sogenannter Intelligent Applications und fungieren als „Single Source of Truth“ für standardisierte Geschäftsszenarien.
In diesem Zusammenhang ermöglichen sie einen sofortigen Einsatz ohne zusätzliche Modellierungsaufwände und sind bewusst als stabile, nicht veränderbare Basisschicht konzipiert.
Auf dieser Grundlage entsteht ein skalierbares Fundament für konsistente, unternehmensweite Datenverwertung über Systemgrenzen hinweg.
Custom Data Products (Customer-managed)
Im Gegensatz dazu bieten Custom Data Products maximale Flexibilität für individuelle Anforderungen. Unternehmen können hier eigene Datenprodukte definieren, indem sie SAP- und Non-SAP-Datenquellen kombinieren, eigene Semantik aufbauen und spezifische KPI-Modelle entwickeln.
Somit entwickeln sich Data Products zu einem zentralen Enabler für differenzierte, unternehmensspezifische Datenstrategien.
Wie werden eigene Data Products erstellt?
Unabhängig vom Erstellungsweg basieren alle Data Products in der SAP BDC auf gemeinsamen Architekturprinzipien, die Konsistenz, Skalierbarkeit und Interoperabilität sicherstellen.
Zentrale Architekturprinzipien
Zero-Copy-Konsum
Dabei werden Data Products über APIs, Events oder Delta-Sharing konsumiert, ohne physische Datenkopien zu erzeugen. Stattdessen verbleiben Daten im Ursprungssystem und werden direkt konsumiert – beispielsweise über SAP HANA Cloud, SAP Databricks, Enterprise Databricks oder SAP Analytics Cloud.
Object-Store-basierte Architektur
Darüber hinaus erfolgt die Speicherung in einer modernen Object-Store-Umgebung, die speziell für skalierbare Lesezugriffe und große Datenvolumina optimiert ist. Damit bildet sie die technologische Grundlage für moderne Data-Lake-Architekturen.
Foundation Services
Ergänzend übernehmen zentrale Services automatisiert:
- Extraktion aus Quellsystemen
- Harmonisierung und Integration von Daten
- Delta-basierte Replikation und Aktualisierung
Dadurch bleiben Data Products konsistent, aktuell und performant konsumierbar.
ORD-Metadaten (Open Resource Discovery)
Gleichzeitig beschreiben sich Data Products selbst über standardisierte Metadaten, darunter insbesondere:
- Struktur, Felder und fachliche Semantik
- Berechtigungen und Sichtbarkeiten
- Versionierung und Lifecycle-Informationen
- Abhängigkeiten und Integrationskontext
Auf dieser Basis werden Governance, Auffindbarkeit und Integration in Datenkataloge sowie Plattformen wie den Business Accelerator Hub ermöglicht.
Data Product Generation – ein BW-Feature
Der BW-basierte Data Product Generator ermöglicht dabei die direkte Erstellung von Data Products aus bestehenden BW-Objekten wie ADSOs, Composite Providern oder MultiProvidern.
Ab Q2 2026 entfällt in diesem Kontext der bisherige Umweg über das Data Sharing Cockpit. Zusätzlich erleichtert ein neues Query-Template die Überführung bestehender BEx- und BW-Logik in die SAP BDC.
Einsatz:
Damit eignet sich dieser Ansatz insbesondere für Unternehmen, die bestehende BW-Logik schnell und effizient in moderne, produktisierte Datenstrukturen überführen möchten.
Custom Data Products via Data Sharing Cockpit
Mit SAP Datasphere können eigene Data Products über das Data Sharing Cockpit erstellt, geteilt und optional im Data Marketplace veröffentlicht werden. Dies umfasst sowohl SAP- als auch Non-SAP-Datenquellen, die in Object-Store-Umgebungen wie S3, GCS, Azure Data Lake oder Confluent integriert werden können.
Einsatz:
Geeignet für schnelle Datenbereitstellung, interne Datenkatalogisierung, datengetriebene Monetarisierung sowie hybride SAP/Non-SAP-Szenarien.
Zukünftiger Standard: Data Product Studio
Das Data Product Studio wird künftig die zentrale Oberfläche zur Erstellung, Versionierung und Verwaltung von Data Products über Systemgrenzen hinweg.
Der geplante MVP (Q2/Q3 2026) umfasst unter anderem:
- Erstellung auf Basis von 1:1 Mappings auf Object-Store-Tabellen
- durchgängige Versionierung und Lifecycle-Management
- Multi-System-Deployment
- Katalogisierung und semantische Verknüpfungen
- Einführung von Interface Data Products mit vorgegebenen Zielstrukturen
Zielbild:
Das Data Product Studio etabliert sich als strategischer Standard für industrialisiertes Data Product Management auf Enterprise-Niveau.
Delta Sharing mit externen Systemen (z. B. Databricks)
Bei der Integration externer Delta-Sharing-Quellen ist SAP Datasphere auf zusätzliche semantische Informationen angewiesen:
- ORD-Metadaten: Beschreibung, Titel und Katalogeintrag im Open Resource Discovery-Format
- CSN-Schema: Übersetzung der Tabellenstruktur in das SAP-interne Datenmodell
- Publish-Schritt: Aktivierung des Data Products für Katalog- und Marketplace-Sichtbarkeit
Kurz gesagt:
Der technische Share stellt die Verbindung her – erst durch Semantik (ORD + CSN) und Aktivierung wird daraus ein konsumierbares Data Product.
Zusammengefasst: So werden Data Products genutzt
Data Products bilden die Grundlage für eine moderne, skalierbare und semantisch konsistente Datenarchitektur. Sie ermöglichen es Unternehmen, Daten nicht nur bereitzustellen, sondern sie als klar definierte, wiederverwendbare Produkte zu denken und zu betreiben.
Sie sind das Fundament für:
- moderne Analytics- und KI-Anwendungen
- intelligente, datengetriebene Applikationen
- unternehmensweite Datenplattformen
Darauf aufbauend können Unternehmen Data Products über drei zentrale Wege erstellen:
- BW Data Product Generation – schnelle Transformation bestehender BW-Logik
- Data Sharing Cockpit – flexible Erstellung und Datenbereitstellung
- Data Product Studio – strategische, skalierbare Enterprise-Lösung
Dabei gelten für alle Ansätze einheitliche, zugrunde liegende Architekturprinzipien:
Zero-Copy-Konsum, Object-Store-Architektur, Foundation Services, ORD-Metadaten und konsistente Katalogintegration. Auf dieser Basis entsteht schließlich ein einheitliches und zugleich zukunftsfähiges Datenprodukt-Ökosystem innerhalb der SAP BDC.
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