SAP Business Data Cloud: So werden Data Products genutzt

Data Products liefern wiederverwendbare, qualitätsgesicherte Datenbausteine mit sauberer Semantik, Governance und Self‑Service‑Zugriff – die ideale Grundlage für Analytics und intelligente Anwendungen auf Basis der SAP Business Data Cloud (BDC). Doch was genau sind Data Products, wie werden diese genutzt und wie werden Custom Data Products genutzt? Im Folgenden beantwortet Joseph Reinke, Junior Process Automation Consultant bei sovanta, diese Fragen und zeigt Schritt für Schritt, wie SAP Managed und Custom Data Products erstellt und in der Praxis genutzt werden können.

Was sind Data Products?

Ein Data Product ist ein wiederverwendbares, klar beschriebenes und nach Produktprinzipien geführtes Datenobjekt.

Typische Eigenschaften von Data Products sind insbesondere:

  • Saubere, qualitativ hochwertige Datensätze
  • Vollständige Metadaten und Semantik
  • Dezentrale Verantwortlichkeiten (angelehnt an Data-Mesh-Prinzipien)
  • Hohe Wiederverwendbarkeit und Interoperabilität
  • Self-Service-Zugriff über Datenkataloge

Darüber hinaus bündeln Data Products SAP- und Non-SAP-Daten in konsumfertigen Datenpaketen. In diesem Zusammenhang werden operative Tabellen, CDS Views oder API-Ergebnisse erst durch gezielte Kuration, Harmonisierung, Governance und Lifecycle-Management zu einem produktionsreifen Data Product mit Plattformcharakter.

Im Kern besteht ein Data Product aus vier eng verzahnten Ebenen:

  • Data: die fachliche Kerninformation (z. B. Verkaufsaufträge oder Finanztransaktionen)
  • Code: Logik für Ingestion, Transformation, Bereinigung und Bereitstellung
  • Infrastructure: die zugrunde liegende Speicher- und Verarbeitungsplattform
  • Metadata & Governance: Beschreibung, Herkunft, Ownership, Qualität und Zugriffskontrolle

Dabei gilt: Verantwortlich für die Erstellung und Verwaltung sind in der Regel interne IT-Organisationen, SAP selbst oder ausgewählte Partnerunternehmen wie Sovanta.

Nutzung von Data Products: Intelligent Applications vs. Custom Data Products

SAP-managed Data Products & Intelligent Applications

SAP stellt eine wachsende Anzahl kuratierter Data Products im Business Accelerator Hub bereit. Diese bilden die Grundlage sogenannter Intelligent Applications und fungieren als „Single Source of Truth“ für standardisierte Geschäftsszenarien.

In diesem Zusammenhang ermöglichen sie einen sofortigen Einsatz ohne zusätzliche Modellierungsaufwände und sind bewusst als stabile, nicht veränderbare Basisschicht konzipiert.

Charakteristisch sind:

  • SAP-verwaltete, stabil definierte Datenmodelle und Semantik
  • read-only Konsum für maximale Konsistenz und Performance
  • harmonisierte Daten mit integriertem Delta-Handling
  • vollständige Beschreibung über ORD-Metadaten
  • direkte Nutzbarkeit in Analytics- und KI-Szenarien

Auf dieser Grundlage entsteht ein skalierbares Fundament für konsistente, unternehmensweite Datenverwertung über Systemgrenzen hinweg.

Custom Data Products (Customer-managed)

Im Gegensatz dazu bieten Custom Data Products maximale Flexibilität für individuelle Anforderungen. Unternehmen können hier eigene Datenprodukte definieren, indem sie SAP- und Non-SAP-Datenquellen kombinieren, eigene Semantik aufbauen und spezifische KPI-Modelle entwickeln.

Insbesondere eignen sie sich für folgende Einsatzfelder:

  • domänenspezifische Analyse- und Datenmodelle
  • Planungs- und Forecasting-Szenarien
  • Erweiterungen bestehender SAP-Standards
  • KI- und Innovationsprototypen
  • Datenbereitstellung für interne oder externe Plattformen und Marktplätze

Somit entwickeln sich Data Products zu einem zentralen Enabler für differenzierte, unternehmensspezifische Datenstrategien.

SAP BDC: Intelligent Applications & Data Products für den erfolgreichen Start

Intelligent Applications und Data Products sind ein zentraler Baustein moderner, datengetriebener Unternehmen. Gerade im SAP-Umfeld entstehen mit der SAP Business Data Cloud (SAP BDC), modernen Sharing-Mechanismen und neuen Entwicklungswerkzeugen zahlreiche …

Wie werden eigene Data Products erstellt?

Unabhängig vom Erstellungsweg basieren alle Data Products in der SAP BDC auf gemeinsamen Architekturprinzipien, die Konsistenz, Skalierbarkeit und Interoperabilität sicherstellen.

Zentrale Architekturprinzipien

Zero-Copy-Konsum

Dabei werden Data Products über APIs, Events oder Delta-Sharing konsumiert, ohne physische Datenkopien zu erzeugen. Stattdessen verbleiben Daten im Ursprungssystem und werden direkt konsumiert – beispielsweise über SAP HANA Cloud, SAP Databricks, Enterprise Databricks oder SAP Analytics Cloud.

Object-Store-basierte Architektur

Darüber hinaus erfolgt die Speicherung in einer modernen Object-Store-Umgebung, die speziell für skalierbare Lesezugriffe und große Datenvolumina optimiert ist. Damit bildet sie die technologische Grundlage für moderne Data-Lake-Architekturen.

Foundation Services

Ergänzend übernehmen zentrale Services automatisiert:

  • Extraktion aus Quellsystemen
  • Harmonisierung und Integration von Daten
  • Delta-basierte Replikation und Aktualisierung

Dadurch bleiben Data Products konsistent, aktuell und performant konsumierbar.

ORD-Metadaten (Open Resource Discovery)

Gleichzeitig beschreiben sich Data Products selbst über standardisierte Metadaten, darunter insbesondere:

  • Struktur, Felder und fachliche Semantik
  • Berechtigungen und Sichtbarkeiten
  • Versionierung und Lifecycle-Informationen
  • Abhängigkeiten und Integrationskontext

Auf dieser Basis werden Governance, Auffindbarkeit und Integration in Datenkataloge sowie Plattformen wie den Business Accelerator Hub ermöglicht.

Voraussetzung: Für Erstellung und Betrieb von Data Products ist eine SAP Datasphere Konfiguration mit Object Store erforderlich (mindestens 128 GB Memory).

Data Product Generation – ein BW-Feature

Der BW-basierte Data Product Generator ermöglicht dabei die direkte Erstellung von Data Products aus bestehenden BW-Objekten wie ADSOs, Composite Providern oder MultiProvidern.

Ab Q2 2026 entfällt in diesem Kontext der bisherige Umweg über das Data Sharing Cockpit. Zusätzlich erleichtert ein neues Query-Template die Überführung bestehender BEx- und BW-Logik in die SAP BDC.

Architektur & Konsum im Überblick:

  • Speicherung als read-only Data Product im Object Store
  • Verwaltung über Foundation Services (Extraktion, Harmonisierung, Delta-Handling)
  • Zero-Copy-Konsum über APIs, Events oder Delta Sharing
  • vollständige ORD-Integration für Governance und Discovery
  • Katalogintegration inklusive Sichtbarkeit im Accelerator Hub

Einsatz:
Damit eignet sich dieser Ansatz insbesondere für Unternehmen, die bestehende BW-Logik schnell und effizient in moderne, produktisierte Datenstrukturen überführen möchten.

Custom Data Products via Data Sharing Cockpit

Mit SAP Datasphere können eigene Data Products über das Data Sharing Cockpit erstellt, geteilt und optional im Data Marketplace veröffentlicht werden. Dies umfasst sowohl SAP- als auch Non-SAP-Datenquellen, die in Object-Store-Umgebungen wie S3, GCS, Azure Data Lake oder Confluent integriert werden können.

Architektur & Konsum:

  • Speicherung in skalierbaren Object-Store Data Lakes
  • Zero-Copy-Zugriff über APIs, Events und Delta-Sharing
  • automatische Generierung von ORD-Metadaten
  • enge Anbindung an den Business Accelerator Hub

Einsatz:
Geeignet für schnelle Datenbereitstellung, interne Datenkatalogisierung, datengetriebene Monetarisierung sowie hybride SAP/Non-SAP-Szenarien.

Zukünftiger Standard: Data Product Studio

Das Data Product Studio wird künftig die zentrale Oberfläche zur Erstellung, Versionierung und Verwaltung von Data Products über Systemgrenzen hinweg.

Der geplante MVP (Q2/Q3 2026) umfasst unter anderem:

  • Erstellung auf Basis von 1:1 Mappings auf Object-Store-Tabellen
  • durchgängige Versionierung und Lifecycle-Management
  • Multi-System-Deployment
  • Katalogisierung und semantische Verknüpfungen
  • Einführung von Interface Data Products mit vorgegebenen Zielstrukturen

Architektur & Konsum:

  • Speicherung im Object Store mit automatisiertem Delta-Handling
  • Zero-Copy-Konsum analog zu SAP-managed Data Products
  • vollständige ORD-Metadatenintegration
  • standardisierte Data-Product-Factory für skalierte Unternehmensnutzung

Zielbild:
Das Data Product Studio etabliert sich als strategischer Standard für industrialisiertes Data Product Management auf Enterprise-Niveau.

Delta Sharing mit externen Systemen (z. B. Databricks)

Bei der Integration externer Delta-Sharing-Quellen ist SAP Datasphere auf zusätzliche semantische Informationen angewiesen:

  • ORD-Metadaten: Beschreibung, Titel und Katalogeintrag im Open Resource Discovery-Format
  • CSN-Schema: Übersetzung der Tabellenstruktur in das SAP-interne Datenmodell
  • Publish-Schritt: Aktivierung des Data Products für Katalog- und Marketplace-Sichtbarkeit

Kurz gesagt:
Der technische Share stellt die Verbindung her – erst durch Semantik (ORD + CSN) und Aktivierung wird daraus ein konsumierbares Data Product.

Zusammengefasst: So werden Data Products genutzt

Data Products bilden die Grundlage für eine moderne, skalierbare und semantisch konsistente Datenarchitektur. Sie ermöglichen es Unternehmen, Daten nicht nur bereitzustellen, sondern sie als klar definierte, wiederverwendbare Produkte zu denken und zu betreiben.

Sie sind das Fundament für:

  • moderne Analytics- und KI-Anwendungen
  • intelligente, datengetriebene Applikationen
  • unternehmensweite Datenplattformen

Darauf aufbauend können Unternehmen Data Products über drei zentrale Wege erstellen:

  • BW Data Product Generation – schnelle Transformation bestehender BW-Logik
  • Data Sharing Cockpit – flexible Erstellung und Datenbereitstellung
  • Data Product Studio – strategische, skalierbare Enterprise-Lösung

Dabei gelten für alle Ansätze einheitliche, zugrunde liegende Architekturprinzipien:
Zero-Copy-Konsum, Object-Store-Architektur, Foundation Services, ORD-Metadaten und konsistente Katalogintegration. Auf dieser Basis entsteht schließlich ein einheitliches und zugleich zukunftsfähiges Datenprodukt-Ökosystem innerhalb der SAP BDC.

Sie wollen wissen, wie Sie die volle Power der SAP BDC entfesseln? Melden Sie sich gerne!

Joseph Reinke
Process Automation Consultant

Ihr Kontakt

Joseph Reinke arbeitet als Junior Process Automation Consultant für AI & Data bei der sovanta AG. In dieser Rolle unterstützt er dabei, datengetriebene Lösungen und Automatisierungstechnologien zu nutzen, um Prozesse effizienter zu gestalten und fundiertere Entscheidungen zu ermöglichen.
Kontakt
Tags
Process Automation AI / GenAI Data & Analytics Artificial Intelligence